rabbithole
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Als ich heute morgen im Halbschlaf auf den Zug wartete, betrat ein Mann mittleren Alter den Bahnsteig. Er sprach etwas aufgeregt mit sich selbst und holte schließlich ein kleines Radio aus seiner Tasche, rief erfreut:"Oh Anastacia!" und tanzte freudig dazu. Sofort entfernten sich sämtliche Leute in seinem Umfeld, als ginge von jemanden, der sich aus weiß Gott welchen Gründen, anders verhält als die Bahnhofsnorm(nämlich finster schauen und lästern), eine unglaubliche Gefahr aus. Er wirkt ja beinahe schon glücklich! Wie kann er nur? Er könnte ja im nächsten Moment Amoklaufen!So ein komischer Kerl!
Ich bleibe demonstrativ stehen und hebe nur die Augenbraue in Richtung der flüchtenden Massen. Nachdem ich ihm bestätigt habe, dass sie sicherlich Talent hat, legte er eine ernste Mine auf und sagt :"Aber das ist ihr ja leider sehr auf die Brust geschlagen! Gott sei dank hat sie die schwere Operation hinter sich!"
Während die Massen vermutlich davon ausgehen, dass er mich zwingt mit ihm auf die nächste Toilette zu verschwinden, fühl ich mich mal wieder bestätigt darin das Bahnhofsszenerien mein Leben nochmals bereichert haben.
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bisher 3 Kommentar(e)
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thecaterpillar
/ Website
(14.12.05 15:18)
Bahnhöfe ähneln kaum einem anderen Ort der Begegnung. Die Menschen sind ungeschützt, in einer gewissen Form. Wenn sich Unzählige durch Innenstädte drängen haben sie eine Entschuldigung, andere zu ignorieren (was ja nicht schlimm ist, mit den wenigsten Kaufwütigen würde man ein sinnvolles Gespräch führen können). In Bahnhöfen aber wartet man die meiste Zeit. Das weggehen fällt schwerer, könnte „komisch wirken“ und außerdem will man ja seinen Zug nicht verpassen. Man ist quasi gefangen und muss Gefahren früher erkennen, um auf sie zu reagieren. Vielleicht ist es das – aber sicher bin ich mir nicht, da sich diese Leute wohl auch außerhalb des Bahnhofs so angestellt hätten ;-)
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sternschwester
/ Website
(14.12.05 18:24)
"...die Bahnhofsnorm(nämlich finster schauen und lästern)..."
eine unglaublich wahre Bemerkung.
Und immer wieder deprimierend und gleichzeitig faszinierend.
Menschen allein, auf unbekanntem Terrain, reagieren viel misstrauischer auf nonkonformes Verhalten. Witzig.
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Eva
/ Website
(10.4.06 23:26)
Ohja, Bahnhofsgeschichten! Bahnfahren macht glücklich, also, mich zumindest. Heute hatte ich einen eingeschlafenen jungen Mann mit kaputtem Bein, der immer dann aufwachte, wenn sein Kopf über den Gang hing und irgendjemand ihn im Gehen mitnahm, sowie einen Jungen mit Handschellen an der Schulter, die seinem Subkulturoutfit irgendwie etwas sehr ungläubiges gaben, und eines der schönsten Paare, dem ich je so nah war, dass ich sie hätte anfassen können. Und in den Ohren eine Lesung, die mich quiekend Lachen gemacht hat. Ob sich da auch jemand weggesetzt hat?
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